Pragmatisches Dilemma: Zentralasiens Zwangsehe mit den Taliban
Seit dem Abzug der internationalen Truppen aus Afghanistan im August 2021 hat sich die geopolitische Ordnung in Asien spürbar verschoben. Usbekistan, Tadschikistan und Turkmenistan müssen ihre Sicherheit gewährleisten, ohne das Taliban-Regime offiziell anzuerkennen. Zugleich eröffnen Projekte wie der Trans-Afghanische Korridor neue wirtschaftliche Chancen für Handel und regionale Vernetzung. Diese Entwicklungen schaffen ein fragiles Gleichgewicht: Kooperation ist nötig für Stabilität und wirtschaftliche Integration, doch die Gefahr extremistischer Einflüsse bleibt bestehen.
Für Deutschland ist diese Entwicklung von besonderem Interesse, da sicherheitspolitische Risiken, wirtschaftliche Chancen und Migrationsbewegungen in Zentralasien zunehmend direkte Auswirkungen auf deutsche und europäische Strategien haben.
In der Veranstaltung diskutieren wir, wie weit die zentralasiatischen Staaten zu pragmatischen Kompromissen bereit sind: Erleben wir eine „Zwangsehe“ aus Mangel an Alternativen oder eine strategische Neuausrichtung der Region? Gemeinsam mit Expertinnen und Experten beleuchten wir die Zukunft einer Region, die selten im Fokus der Weltpolitik steht, aber für globale Sicherheit zunehmend wichtig ist.
Zentrale Fragen:
Können zentralasiatische Staaten als Brücke zu den Taliban dienen, ohne deutsche Werte zu kompromittieren?
Fördern Projekte wie der Trans-Afghanische Korridor deutsche Interessen an diversifizierten Lieferketten und alternativen Routen?
Welche Folgen hat Instabilität in Zentralasien für Deutschlands Migrationspolitik?
Welche Risiken ergeben sich durch Terrorismus oder wachsende Abhängigkeiten von Russland und China?
Gäste
Dr. Beate Eschment
ist Zentralasienexpertin und seit 2016 wissenschaftliche Mitarbeiterin am ZOiS. Sie beschäftigt sie sich vor allem mit der Gegenwart der zentralasiatischen Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Wichtigste Stationen dabei waren die Stiftung Wissenschaft und Politik in Ebenhausen, das Zentralasien-Seminar der Humboldt-Universität zu Berlin, das Institut für Orientalistik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und die Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen. Von 2008 bis 2019 war sie Redakteurin der Zentralasien-Analysen.
Anikó Glogowski-Merten
war bis 2025 Abgeordnete und kulturpolitische Sprecherin der FDP im Deutschen Bundestag. Sie war Obfrau der FDP-Fraktion im Ausschuss für Kultur und Medien sowie stellvertretende Obfrau im Auswärtigen Ausschuss. Darüber hinaus war sie stellvertretende Vorsitzende der Parlamentariergruppe Deutsch-Zentralasien und Mitglied weiterer regionaler Parlamentariergruppen, unter anderem für den Südkaukasus und Bulgarien-Moldau-Rumänien. Sie gründete den Freundeskreis für ein demokratisches Belarus mit.
Moderation
Jessica Buchmann
ist Politikwissenschaftlerin und arbeitet zu den Themen Außenwirtschaft und Außenpolitik mit Fokus auf die Kontinente Asien und Afrika. Als Referentin und Wissenschaftliche Mitarbeiterin war sie bereits in mehreren Positionen tätig, u.a. im Deutschen Bundestag, im Internationalen Wirtschaftsrat und seit 2024 bei der Industrie und Handelskammer. Außerdem promoviert sie über die Auswirkungen internationaler Sanktionen auf Iran und Venezuela an der Universität Tübingen.
Pragmatisches Dilemma: Zentralasiens Zwangsehe mit den Taliban
Folgen für Deutschlands Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen
Veranstaltungsart
Webtalk
Zeit25.02.2026 | 18:00 - 19:00
VeranstalterLänderbüro Niedersachsen/Bremen
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