Qualitätsjournalismus und User Generated Content – ein Gegensatz?

Über die Veranstaltung

Die Zeiten, als Zeitungen oder Fernsehsender das Monopol über die mediale Verbreitung von Botschaften hatten, sind seit Aufkommen des „User Generated Content“ vorbei. Jeder Rezipient kann gleichzeitig auch zum Produzenten von Inhalten werden. Betreiber reichweitenstarker Blogs sind zu Meinungsmachern reüssiert. Sie unterliegen aber nicht dem journalistischen Ehrenkodex, der z. B. zu Trennung von Werbung und Redaktion oder zum Schutz von Persönlichkeitsrechten verpflichtet. Darf sich ein Blog dennoch auf die Pressefreiheit berufen? Im Jahr 2015 wurde gegen Markus Beckedahl wegen Landesverrats ermittelt („Netzpolitik-Affäre“). Er hatte in seinem Blog einen Artikel veröffentlicht, in dem Einzelheiten zum Aufbau einer Einheit des Bundesverfassungsschutzes zur Internet-Überwachung enthalten waren. Das Verfahren wurde mit Verweis auf die Presse- und Meinungsfreiheit eingestellt. Wir wollen mit unseren Gästen darüber diskutieren, ob dies als Präzedenzfall gewertet werden sollte, um nutzergenerierten Inhalten den gleichen presserechtlichen Schutz zukommen zu lassen wie den redaktionellen Beiträgen traditioneller Presseunternehmen.

Der Konflikt zwischen beiden Seiten wurde auch in der Kontroverse zwischen dem YouTuber Rezo und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung deutlich, als der 27jährige die Rolle von Journalisten bei der Verbreitung von Verschwörungstheorien kritisierte. Die FAZ reagierte mit einer Gegendarstellung, in der sie ihre redaktionelle Unabhängigkeit betonte, die sich aus der Trennung zwischen Eignerschaft und redaktioneller Führung ergebe. Ist eine solche strukturell bedingte Unabhängigkeit ein Wert, den Blogger oder YouTuber überhaupt einbringen können? Oder nehmen die herkömmlichen Medien in dieser Hinsicht nach wie vor eine Sonderstellung ein, die medienpolitisch geschützt bleiben sollte?

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