Corona - quo vadis? Frauen und Geschlechterverhältnisse

Über die Veranstaltung

Anfang Mai 2020 zeichnete die Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, Jutta Allmendinger, mit der Aussage, dass die Frauen nach der Corona-Krise "eine entscheidende Retraditionalisierung" erfahren würden, ein düsteres Bild. In den Empfehlungen der Leopoldina zu den Lockerungen erfuhren Frauen und Familien in den möglichen aufgezeigten Perspektiven keinerlei Beachtung. Dabei war bereits vor der Corona-Krise die Situation von Frauen noch immer nicht zufriedenstellend. In den Vorständen der 100 größten deutschen Börsenunternehmen verdienen Frauen im Durchschnitt 23 Prozent weniger als Männer. In den börsenorientierten Unternehmen hatte Deutschland 2018 mit 9,2% einen Frauenanteil in den Chefetagen, der mit dem von Indien und der Türkei vergleichbar ist. Im internationalen Vergleich der Machtbeteiligung von Frauen in der Wirtschaft liegt Deutschland auf Platz 89. Lediglich 30% der Bundestagsabgeordneten sind Frauen – weniger als in früheren Parlamenten - und der weibliche Anteil unter den W3- Professuren liegt noch immer unter 30%. Dazu kommen gravierende Lohn- und Gehaltsunterschiede, was vor allem gegenwärtig Frauen in Ostdeutschland hart trifft, deren Kurzarbeitergeld oft nicht für die Sicherung des Existenzminimums ausreicht. Und: Frauen bekommen im Durchschnitt 46% weniger Rente als Männer.
In den letzten Wochen lag die Verantwortung der privaten Care-Arbeit dominant auf den Schultern von Frauen, die zwischen Haushalt, Kinderbetreuung und Homeoffice eine Balance finden mussten. Damit die düstere Prognose, dass Frauen, so Allmendinger, bis zu drei Jahrzehnten erneut ins Hintertreffen geraten könnten, nicht zur Realität wird, sollen mit den Expertinnen folgende Fragen diskutiert werden: Zahlen Frauen und Familien den Preis für die Krise? Wie kann Geschlechtergerechtigkeit hergestellt werden? Wie ist es um den "neuen Mann" bestellt?

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